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Selbstliebe

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst ist ein bekannter Spruch aus der Bibel.

Er wird oft als Aufforderung verstanden, seine Mitmenschen liebevoller zu behandeln.

Ich sehe es anders. Für mich ist es keine Aufforderung, sondern eine Feststellung. Vielleicht hätte ich den Satz so formuliert: ,,Du liebst deinen Nächsten wie dich selbst!“ - denn meines Erachtens ist es so und zwar bei jedem.

Das Problem ist nicht, dass wir nicht liebevoll mit den anderen umgehen. Das Problem ist, dass wir nicht liebevoll mit uns umgehen.

Denn uns selbst zu lieben, scheint uns abhanden gekommen zu sein.

 

Wenn wir uns also selbst nicht lieben, wie sollen wir dann unseren Nächsten lieben?

 

Auch der Spruch: ,,Behandle deinen Nächsten, wie dich selbst“, sollte, für mich, ebenso keine Aufforderung sein, sondern eine Feststellung.

Denn genau dies tun wir jeden Tag und in jedem Moment unseres Lebens. Auch wenn es manchmal nicht so offensichtlich ist. Denn es gibt Menschen, welche sich so wunderbar selbst belügen, dass sie sich ziemlich zwiespältig verhalten.

 

Die etwas andere Spiegelung von uns selbst

Wahrscheinlich kennst du das Spiegelgesetz. Dieses sagt, dass wir das, was wir bei anderen Menschen sehen und erleben, eigentlich in uns selbst steckt. Stoßen uns also Verhaltensweisen eines anderen ab, dann hat dies immer was mit uns zu tun. Zum Beispiel tragen wir diese Verhaltensweise evtl. selbst in uns und sie gefällt uns nicht an uns. Oder wir würden sie gerne selber leben, aber wir trauen uns nicht oder sind aus anderen Gründen darin gehemmt. Ein schönes Beispiel ist dies von Christa Kössner:

>> eine Mutter regt sich sehr über die „Faulheit“ ihres Sohnes auf. Sie hatte gelernt immer fleißig zu sein und sich nie eine Auszeit zu nehmen, denn dann würde sie ja faul sein. Da sie Ausruhen mit Faulheit und Faulheit mit weniger wertvoll in Verbindung bringt, lehnt sie es ab und kann so auch nicht ertragen, dass ihr Sohn sich einfach nur hinlegt um Musik zu hören. Ihr Problem ist, dass sie sich eigentlich selber einfach mal nur hinsetzen möchte um nichts zu tun, dies aber aufgrund ihrer anerzogenen Ansichten nicht kann.

 

Was möchte ich euch damit sagen?

 

Nun, so wie es ein Hinweis über uns selbst sein kann, wenn uns etwas an jemanden nicht gefällt oder aufregt, so kann es ein Hinweis sein, wie wir uns selbst behandeln, wenn wir beobachten, wie wir andere Menschen behandeln.

Gehen wir also wenig liebevoll mit anderen um, dann können wir uns sicher sein, dass wir auch mit uns selbst nicht liebevoll umgehen.

Sind wir aggressiv gegenüber anderen, dann sind wir ebenso aggresiv gegen uns selber. Nehme wir andere nicht ernst, so nehmen wir uns auch nicht ernst. Behandeln wir andere geringschätzig, behandeln wir uns ebenso. Und so weiter und so fort.

Wenn wir also beobachten, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, oder über sie denken, so ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, wie wir selbst mit uns umgehen und wie wir selbst von uns denken.

Wenn wir also bestrebt sind liebevoller mit unseren Mitmenschen umzugehen, mehr in Harmonie zu leben, umgänglicher zu sein oder oder oder, dann müssen wir zu aller erst anfangen uns selber zu lieben.

Aber geht das denn so einfach? Und warum tun wir es denn nicht sowieso?

 

Der Teufelskreislauf

Eigentlich ist ja die große Frage, warum lieben wir uns denn nicht? Und zwar so wie wir sind – bedingungslos.

Nun dies ist eine komplexe Frage und nicht einfach zu beantworten. Obwohl - vielleicht ja doch.

Ein Kind liebt von Natur aus bedingungslos. Aber warum ändert sich das?

Ich kann nicht sagen, wann genau es begann und warum, nur wie es im Moment ist: Es ist ein Teufelskreislauf. Eltern hatten Eltern, welche Eltern hatten usw, welche alle nicht bedingungslos Lieben konnten.

Somit entwickelten sich Erziehungsstile, welche damit arbeiteten, dass sich Liebe verdient werden muss. Das man nur jemanden lieben kann, der sich so verhält wie man es sich wünscht. Das Liebe eben mit Bedingungen verknüpft ist.

So lernen die Kinder genau das. Sie lernen, das sie bestimmte Anforderungen entsprechen müssen. Sie müssen einen bestimmten Charakter haben, bestimmte Verhaltensweisen, dieses oder jenes können. Und da sie lernen was die Welt ihnen zeigt, übernehmen sie dies. Sie lernen durch Vorbilder und glauben, durch blindes Vertrauen zu ihren Eltern, dass dies richtig ist.

Also fangen sie an Liebe an Bedingungen zu knüpfen. Diese Kinder werden wiederum erwachsen, bekommen eigene Kinder und der Kreislauf geht von vorne los.

Wie also den Teufelskreislauf durchbrechen?

 

Der erste Schritt zur Selbstliebe – Lerne dich kennen

Als Erwachsene haben wir jederzeit die Möglichkeit zu lernen uns wieder bedingungslos anzunehmen wie wir sind. Dazu müssen wir natürlich erst einmal wissen wer und wie wir eigentlich sind. Wir müssen uns kennenlernen – uns wahrnehmen und dies zu aller erst einmal völlig ohne Bewertung.

Dazu braucht es Mut und Ehrlichkeit.

Auf diesem Weg wirst du deinen Ängsten begegnen. Mache dir klar, dass es ok ist Angst zu haben, damit du dir diese Angst anschauen kannst und sie nicht (wieder) verdrängst. Denn wenn du sie anschauen kannst, dann kannst du sie auflösen, sofern dies dein Wunsch ist.

Auch wirst du auf Glaubenssätze stoßen oder auf Annahmen, welche du einfach nur kritiklos übernommen hast. Nun hast du die Chance, diese zu hinterfragen. Machen sie für dich Sinn? Helfen sie dir glücklich zu werden oder hindern sie dich gar daran? Manches wirst du so auflösen, manches verfestigen.

Du wirst auf deinem Weg auch einige Menschen treffen, welche dir etwas über dich erzählen wollen und dir sagen, was du zu tun und zu lassen hast. Höre ihnen ruhig zu und dann prüf: Passt dies zu mir, hilft es mir auf meinem Weg?

Du wirst sowohl deine Stärken, wie auch deine Schwächen entdecken. Und das ist gut so.

 

Der zweite Schritt zur Selbstliebe – Schenke dir Anerkennung

Betrachte dich einmal ganz in Ruhe. Du wirst sicherlich etwas finden was dir an dir gefällt. Vielleicht ist es eine Charaktereigenschaft, vielleicht etwas was du gut kannst, vielleicht etwas in deinem Äußeren oder etwas was du getan hast?

Und nun sage es dir, so wie du es auch jemand anderen sagen würdest und meine es ehrlich! Sage dir wie toll du dies findest, wie du dich darüber freust und wie stolz du bist.

Zum Beispiel: ,,Ich finde es schön an mir, das ich anderen gerne helfe“, ,,ich bin stolz darauf, dass ich so gut kochen kann“, ,,ich finde meine Augen wunderschön“, ,,Ich kann gut kommunizieren“, und und und

Du wirst höchstwahrscheinlich mit folgenden oder ähnlichen Ängsten und Glaubenssätzen konfrontiert werden: ,,Eigenlob stinkt“, ,,Wenn ich mich über etwas freue was ich gut kann oder ich äußere was mir an mir gefällt, dann bin ich eingebildet“. Die meisten haben eine regelrechte Hemmschwelle, sich nett über sich selbst zu äußern.

Aber genau dass muss geübt werden, wenn du diese alten Glaubensmuster auflösen und wieder eine positive Einstellung zu dir selbst gewinnen möchtest.

 

Der dritte Schritt zur Selbstliebe – Erkenne das Göttliche in dir

Jeder von uns ist ein göttliches Wesen. Fühle deine Besonderheit und gleichzeitig deine Verbundenheit mit allem.

Vielleicht gehst du einmal in die Natur, zu einem Ort der dir gefällt und welcher friedlich für dich ist. Dann verbinde dich mit allem um dich herum. Staune, bewundere und genieße alles was du siehst, hörst, fühlst. Und dann erlebe dich in diesem Wunder. Erlebe deine Verbundenheit mit allem. Es ist ein fast unbeschreibliches Gefühl: Das gleichzeitige Gefühl der Einzigartigkeit und der Verbundenheit.

Du weißt, dass du etwas ganz besonderes bist, weil einfach alles etwas ganz besonderes ist. Es ist einfach so.

Und in diesem Moment kannst du dich lieben, einfach weil du bist – bedingungslos.

 

Deine Wahrnehmung ändert sich

Durch diese Übung bekommst du eine andere Wahrnehmung von dir selbst und auch von den Menschen um dich herum.

Du wirst sicherlich nicht von einem Moment zum nächsten eine 180° Wendung machen, aber der erste Schritt ist getan.

Finde immer öfter Momente in denen du dir deiner Einzigartigkeit und Verbundenheit bewusst wirst. So gelangt die Liebe zu dir selbst immer mehr in dein Leben. Und ich verspreche dir, dies ist ein wundervolles und ergreifendes Gefühl.

Auch deine Wahrnehmung der Welt wird sich verändern. Du wirst mehr und mehr das Schöne unserer Erde sehen und das gute im Menschen.

Aber Achtung! Gerade am Anfang wird vielleicht öfter einmal Schwermut aufkommen. So war es bei mir. Durch die tiefe Verbundenheit mit der Natur und dem erkennen wie wertvoll sie ist, traf es mich noch härter zu sehen, wie der Mensch sie zerstört. Wenn es dir auch so geht, dann bist du erst den halben Weg gegangen. Du hast eben v.a. die Verbundenheit gespürt. Spüre mehr noch deine Einzigartigkeit – deine Besonderheit. Spüre deine Göttlichkeit. Erkenne das du Schöpfer bist und Erkenne deine Fähigkeit zu lieben.

Und dann werde dir noch einmal bewusst, dass dies auf alle Menschen zutrifft. Das alle einzigartig, besonders und göttlich sind, dann wird der Schwermut abgelöst von einem Gefühl von Hoffnung und Vertrauen. Denn dann weißt du, dass das Gute, was in dir steckt, ebenso in allen anderen steckt.

 

Die Konsequenz

Wenn du dich liebst, um deiner Selbst willen, einfach nur weil du da bist, dann wirst du gut mit dir umgehen. Denn: Jemanden den man liebt mit dem geht man auch liebevoll um, ihm hört man zu, er ist einem wichtig und wertvoll. Um den kümmert man sich, ihm hilft man und umsorgt ihn.

Nun da du fähig bist dich selbst zu lieben und entsprechend mit dir umzugehen, bist du fähig andere ehrlichen Herzens zu lieben und wirst mit ihnen auch entsprechend umgehen. Du wirst mit jedem Menschen verständnisvoller umgehen, den dies ist dein neues Wesen.

 

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